Der Zauberwald (Märchen)

Der Zauberwald (Märchen)

Beitragvon Shannon » So 6. Dez 2009, 19:24

Es war einmal eine Turmfeste am Rande eines großen Waldes, in der lebte glücklich ein Graf mit seinem geliebten Weib. Aber wie es dazu an der Zeit war, dass sie ihm ihr erstes Kind gebären sollte, starb die Gräfin im Kindbett, und kein Arzt konnte sie retten. Mit ihrem letzten Atemzug gab sie dem Kind ihren Segen und den Namen Alecia.
Der Graf trauerte lange Zeit um seine Frau. Einziger Trost war ihm die Tochter, die sie geboren hatte. Ein hübsches Mädchen, das seiner Mutter glich, und das zu einer lieben und verständigen jungen Frau heranwuchs, die trotz ihrer hohen Geburt half wo sie konnte und sich nicht zu fein war hart zu arbeiten. Dafür wurde Alecia von allen geliebt und geachtet.

Nun war das Land, das zu der Feste gehörte, recht karg, so dass der Graf, um nicht allzu viele Steuern von seinen Bauern fordern zu müssen, mit anderen Grafschaften und Herzogtümern einen Handel mit Wein betrieb, dem einzigen Gut das prächtig in der Gegend gedieh. Und eines Tages brachte er, von einer Reise ins Nachbarreich, eine wunderschöne junge Frau mit. Ihre Haut war zart und weiß wie frisch gefallener Schnee, ihr Haar hatte die Farbe von Ebenholz. Sie besaß wunderschöne Kleider aus Samt, Brokat und Seide, einen Mantel aus feinem weißem Fell und goldbestickte Schuhe, und der Graf hatte sie von Anbeginn so lieb gewonnen, dass er sie gleich zur Frau nahm.
Alecia freute sich sehr für ihren Vater, der so lange um seine erste Frau getrauert hatte, und nahm die Zweite mit offenen Armen, wie eine Schwester, in ihren Haushalt auf.

Doch die schöne Stiefmutter war in Wahrheit eine Zauberin, die böse Zwecke verfolgte. Mit dem Wald, an dessen Rand die Feste lag, hatte es für sie eine besondere Bewandtnis. Es war ein Zauberwald, und er war früher das Zuhause der neuen Gräfin gewesen. Man hatte sie aus den schattigen Tiefen verbannt, weil sie ihre Kräfte benutzt hatte sich die Völker der Elfen und Zwerge untertan zu machen. Mit einer List hatten der Zwergenfürst und die Elfenkönigin ihr den besten Teil ihrer Zauberkraft genommen und sie dann davongejagt. Nun sann die Zauberin dafür auf Rache.
Da es ihr aber verwehrt war, jemals wieder einen Fuß in den Wald zu setzen, hatte sie nach einem Adligen gesucht, den sie heiraten wollte. Einen, der am Rand des Zauberwaldes lebte und dem ein Stück jenes Waldes gehörte. Denn, so hatte die Zauberin sich gedacht, wenn sie auch keine Macht mehr über Elfen und Zwerge hatte, so reichte ihre Zauberkraft immer noch aus um Menschen zu umgarnen, die für sie den Wald abholzen und niederbrennen sollten.
So begann sie, mit Hilfe eines magischen Spiegels, sogleich ihr böses Netz zu spinnen, und der Graf war der erste, der sich darin verfing.
Als er seine schöne Braut glücklich nach Hause geführt hatte, ging es dem Grafen jeden Tag ein bisschen schlechter. "Das ist wohl mein fortgeschrittenes Alter. Bei einer so jungen Gattin fällt es mir schwer mitzuhalten", dachte er sich erst. Und sein besorgtes Weib gab ihm täglich kräftigende Tränke ein, damit es ihm besser ginge. Doch trotz all ihrer Mühe und der liebevollen Zuwendung wurde er immer kraftloser.
Schließlich starb er, und der Weg für die Zauberin, die ihn in Wahrheit vergiftet hatte, war damit frei. Sie nahm den Haushalt in die eigenen Hände, derweil Alecia bitterlich am Totenbett ihres geliebten Vaters weinte. Jeden einzelnen Bediensteten ließ die Gräfin zu sich rufen, jeden Bauer und jeden Pächter. Und ein jeder verließ sie verändert und der bildschönen Zauberin verfallen. Von dem Tag an tat jeder in der Grafschaft, was die zauberhafte Herrin wollte.
Sie hieß die Bauern ihr Vieh in den Wald zu treiben, sich an Schösslingen und Unterholz gütlich zu tun. Sie schickte die Jäger aus, ihr große Mengen Wildbret zu schießen, bis die Vorratskammern davon überquollen und selbst umherziehende Bettler Fleisch in ihre Schüssel bekamen. Sie ließ Bäume fällen, um ein Jagdschloss zu bauen. Doch als sie begierig in ihren Zauberspiegel schaute, um die Fortschritte im Wald zu begutachten und zu sehen wie groß der Schaden war, den sie erreichte, war kaum etwas von ihren Bemühungen zu erkennen.
Zähneknirschend musste die Gräfin einsehen, dass sie mit den wenigen Menschen, über die die kleine Grafschaft verfügte, nicht genug würde ausrichten können. Selbst wenn sie Männer, Frauen und Kinder mit Äxten und Sägen in den Wald schickte, würde es hundert Jahre dauern bevor das Waldland auch nur zur Hälfte gerodet wäre.
Aber es gab mächtigere Männer als den verstorbenen Grafen, die über mehr Untertanen geboten. "Ich muss nur den König des Landes dazu bringen, die Zerstörung des Waldes zu befehlen", dachte sie sich, "und das ist mir ein Leichtes, wenn ich ihn erst einfange, wie ich den Grafen eingefangen habe."
Mit einem boshaften Lächeln, Pergament und Tinte begann die böse Gräfin ein neues Netz zu spinnen.

Alecia trauerte indes um ihren armen Vater. In ihrem Schmerz ging sie jeden Tag in die kleine Dorfkapelle, in der er seine letzte Ruhe gefunden hatte. Das Mädchen verstand nicht, was in ihrem Heim vor sich ging, warum alle Welt so sonderbar und mit ihrer Stiefmutter beschäftigt war, während man Alecia sich selbst überließ und ihr Vater mit keinem Wort mehr erwähnt wurde. Es schien, als wäre er bereits vergessen worden, noch bevor sein Leichnam bestattet war.
In ihrer Einsamkeit ging Alecia schließlich in den Wald und wanderte lange im grünen Dickicht umher. Das hier war ihr Platz, schon seit sie klein war, und wann immer sie unter die alten, knorrigen Eichen trat, hatte sie das Gefühl willkommen zu sein. Die Tiere waren gar nicht scheu, und ein paar kamen näher und ließen sich sogar streicheln, wie um das Mädchen mit ihrer Gesellschaft zu trösten.
Doch als ein Reitersmann auf die Lichtung trat, sein Pferd am Zügel, stoben sie davon.
"Verzeih, Mädchen, ich wollte dich nicht erschrecken. Bist du eine Magd von der nahen Feste?", fragte der Fremde mit freundlicher Stimme.
Alecia schämte sich mit einem Mal dafür, ihr schlichtestes Kleid zu tragen, denn der Mann war jung und schmuck. Er war gekleidet wie ein Jäger, aber seine vornehme Art sprach dafür, dass er etwas anderes war.
"Von der Feste bin ich wohl", wich Alecia ihm aus.
"Aber eine Magd wohl nicht? Nein...", er schaute sie sehr genau an, "ich glaube eher, dass die kleine Grafentochter vor mir steht. Ich erinnere mich an dich, von einem Fest, das für meinen Vater gehalten ward."
Alecia errötete. Das einzige Fest, auf dem sie bisher zugegen gewesen war, war eines zu Ehren des Königs gewesen. Damit war der junge Mann der Prinz... Sie erinnerte sich, ihn vor Jahren gesehen zu haben, einen frechen dunkelhaarigen Knaben. Aber der, der heute vor ihr stand, war ein stattlicher Mann...
"Hoheit." Alecia sank in einen tiefen Knicks.
Doch sogleich schlossen sich warme Finger um ihre, und der Prinz half ihr auf. "Nicht doch, wir mögen ja von hohem Adel sein, aber hier im Wald sind wir nur ein Mann und eine Frau. Niemand schaut zu, ob wir der Hofetikette genüge tun, und um ehrlich zu sein ist das der Grund, warum ich mich gern und so viel es geht im Wald aufhalte. Lass uns doch so tun, als wäre ich ein verirrter Wandersmann und du eine Jungfer, die mir den Weg weist. Und nun erzähl mir, was du allein so tief im verwunschenen Wald machst..."
Und weil der Prinz so liebenswürdig war und freundliche Augen hatte, erzählte Alecia ihm von ihrem Verlust und redete sich ihren Kummer von der Seele. Mehr als einmal flossen dabei Tränen, und jedes Mal tröstete er sie und nahm Anteil an ihrem Leid, so dass das Mädchen das Gefühl hatte ihn lange und gut zu kennen, wie einen alten Freund.
Und auch der Prinz war von Alecia angetan, von ihrem frischen Gesicht und den goldenen Locken, ihrem sanften Wesen. So sehr, dass er zögerte sie wieder zu verlassen.
Als der Abend kam, mussten sie schließlich scheiden, aber zuvor nahm der Prinz Alecias Hand in seine, küsste sie auf die Wange und fragte hoffnungsvoll: "Wenn ich morgen hierher zurückkehre, wirst du dann hier sein?"
Und Alecia nickte errötend und antwortete: "Von Herzen gern."
In jener Nacht weinte sich das Mädchen, zum ersten Mal seit langer Zeit, nicht in den Schlaf, sondern glitt lächelnd hinein.

Einige Tage vergingen, und die Beiden trafen sich, so oft es ging, in aller Heimlichkeit auf der Waldlichtung. Oftmals musste der Prinz dafür sein Gefolge abhängen oder seinen Lehrmeistern entkommen, doch darin war er erfinderisch und der Lohn war stets Alecias freudiges Lächeln, wenn sie seiner gewahr wurde. Und am Ende jener Woche gestanden sich beide ein, dass sie einander von Herzen lieb hatten und nicht mehr ohne den anderen sein konnten.
Zur selben Zeit erhielt jedoch der König einen Brief von der Zauberin, in dem sie, die arme trauernde Witwe, um Hilfe bei der Führung ihrer ererbten Güter bat. Sie hoffte, so schrieb sie, dass er vielleicht seinen erwachsenen Sohn schicken würde, um ihr ein wenig Anleitung zu geben. Ihr Hintergedanke war aber, den Prinzen mit magischen Mitteln in sich verliebt zu machen, wie sie es zuvor mit dem Grafen getan hatte, ihn zu heiraten und dann mit ihm zusammen das Reich zu regieren, nachdem sie den König beseitigt hatte. Dann wollte sie den Befehl geben den Zauberwald niederzubrennen, und mit ihm alle Zwerge und Elfen, die dort lebten.
Der König nun war ein wohlmeinender, gerechter Mann, der dem vermeintlichen Hilferuf sogleich nachkam und seinen Sohn in die kleine Grafschaft schickte. Der wiederum ging nur zu gern, hieß das doch, dass er Tag und Nacht am selben Ort war wie seine geliebte Alecia.
Und so kam es, dass bald der Prinz mit ein paar seiner Berittenen in den Hof der gräflichen Feste einritt, und die Zauberin, die ihm den Willkommenstrunk reichte, kaum eines Blickes würdigte, weil seine Augen auf deren hübscher Stieftochter lagen. Auch den Trunk reichte er weiter, kaum dass seine Lippen den Rand berührt hatten, und ohne einen Tropfen zu trinken, so dass nur seine Männer in den Bann der zauberkundigen Burgherrin gerieten.
Die Gräfin merkte sehr wohl, was da im Gange war zwischen dem Prinzen und der Grafentochter, und es erboste sie sehr. Sie bot all ihre Verführungskünste und ihre ganze Schönheit auf, um den Prinzen zu becircen und für sich zu gewinnen, doch wann immer sie mit ihm sprach, selbst wenn sie Alecia hinausgeschickt hatte, war er zwar ausgesucht höflich, doch schien er sie gar nicht richtig wahrzunehmen.
Das ging so einige Tage lang, bis die Gräfin eines Abends dem Paar begegnete, das in der dämmrigen Ecke eines Ganges zusammen stand, Hand in Hand, und sich zärtlich küsste. Bei dem Anblick riss der Zauberin der Geduldsfaden und sie schrie vor Wut, sich ein für alle Mal sicher, dass der Prinz sich niemals in sie verlieben würde, weil er es, ganz einfach, bereits war. Ihr böser Plan löste sich da vor ihren Augen in Luft auf.
Aber das konnte sie nicht ungestraft geschehen lassen. Mit donnernder Stimme befahl sie die jungen Leute in ihre Gemächer, wo sie sie ohne Augenzeugen bestrafen konnte.
Alecia gehorchte erschreckt, und der Prinz folgte ihr, um seinen Schatz nicht mit der wütenden Stiefmutter allein zu lassen. Er dachte, die Frau sähe nur die Ehre des Mädchens verletzt, und wollte alles tun um ihr zu versichern, dass seine Absichten gute waren. Er hatte keine Ahnung, was ihn wirklich erwartete, so wenig wie Alecia...
Kaum dass sich die Tür des Schlafgemachs hinter den Dreien schloss, schlug die Gräfin ihrer Stieftochter ins Gesicht.
Der Prinz, der ihr beistehen wollte, fühlte mit einem Mal eine unsichtbare Macht, die ihn umschloss und hinunter auf die Knie zwang. Kaum konnte er Atem schöpfen, geschweige ein Wort des Protestes hervorbringen, so hart hielt ihn die eiserne Hand.
Als er versuchte die Quelle seiner Pein zu finden, entdeckte er in der Nähe einen Spiegel an der Wand, dessen Rand mit einer Vielzahl von Masken geschmückt war. Eine jede hatte Augen aus Granat, und jedes Paar glühte von innen heraus...
Alecia ging es nicht viel besser als ihrem Liebsten, nur war es ihre Stiefmutter, die sie auf den Boden gestoßen hatte und sie an den Haaren gepackt hielt, damit das Mädchen sie ansehen musste.
"Du unnützes kleines Balg... Ich hätte dich ins nächste Kloster schicken sollen, gleich nach der Hochzeit. Aber du kommst mir nicht noch einmal in die Quere!"
"Bitte, lass uns doch laufen! Wir gehen dir aus den Augen, und du wirst nie wieder etwas von mir hören! Bitte, Stiefmutter!", bettelte Alecia, der beim Anblick des Prinzen sofort klar geworden war, dass die Frau ihres Vaters magiekundig sein musste.
Aber die Gräfin lachte nur über sie. "Nie mehr etwas von dir hören... Nein, das werde ich auch nicht... Von Stund an wird kein Ton mehr über deine Lippen dringen, kein Wort, kein Lachen, kein Seufzen. Du sollst stumm sein und niemals jemandem deine Geschichte erzählen können!"
Entsetzt schaute Alecia zu ihrer Stiefmutter auf, die boshaft auf sie herunter lächelte, und zugleich fühlte sie den Laut der Bestürzung sich in ihrer Kehle in Nichts auflösen. Sie wollte schreien, um Hilfe rufen, doch nur ihr warmer Atem strich ihr über die Lippen. In stetem Strom, doch ohne ein einziges Wort nach außen zu tragen...
Alecia schlug sich die Hände vor den Mund und schaute flehend zur Gräfin auf, doch die lachte nur entzückt. Dann wandte sie sich dem Prinzen zu, und die Wut verzerrte ihre schönen Züge. "Und du... Dir wird es böse ergehen dafür, dass du sie mir vorgezogen hast... Spiegel!"
Die glatte Oberfläche des Spiegels begann zu leuchten, als die Gräfin zu ihm trat. Mit einem Finger winkte sie den Prinzen näher, der daraufhin von der unsichtbaren Macht zum Spiegel geschleift wurde, bis er die schillernde Ebene fast berühren konnte.
Lachend ließ die Gräfin ihren Fingernagel über die Fläche gleiten, die sich verformte und Wellen schlug, als wäre sie aus leuchtendem Wasser.

"Spieglein, mein Spieglein an der Wand,
lass mich sehen was für den Prinzen sich fand!"


Der Spiegel glättete sich sogleich und zeigte das Spiegelbild des am Boden kauernden Prinzen, nur um sich sofort wieder zu verändern und einen grauen Wolf abzubilden, der in gleicher Haltung saß und mit den grünen Augen des jungen Mannes vor sich hin blickte.
"Eine gute Wahl", bemerkte die Gräfin anerkennend, "so soll es sein. Sei ein Wolf, bis an dein Lebensende!"
Alecia hätte aufgeschrieen, wenn sie es vermocht hätte... Sie zweifelte nicht eine Sekunde daran, dass ihre Stiefmutter in der Lage war diese Verwandlung zu bewerkstelligen. Sie lief zu ihr und warf sich ihr vor die Füße, flehte stumm und mit flehend erhobenen Händen um Gnade für ihren Prinzen, doch die Gräfin stieß sie nur beiseite und riss an ihren Haaren, damit sie auch ja mit ansah was ihm nun geschah.
Der Prinz war halb zu Boden gesunken, seine Augen blickten glasig in die wölfische Reflektion des Spiegels. Schon war die erste Veränderung an ihm zu sehen, Mund und Nase schoben sich vor, die Finger wuchsen zu Pfoten zusammen und die Nägel wurden zu schwarzen Krallen. Und sogleich begann auch der erste Flaum auf seiner Haut zu wachsen, während seine Glieder sich hier streckten, an anderer Stelle zusammen zogen und sein Körper mit sich selbst zu verschmelzen schien. Ein erstickter Schmerzlaut drang aus seiner sich bildenden Schnauze, und wurde mit fortschreitender Verwandlung zu einem kläglichen Jaulen. Seine Kleider verschwanden unter dem dichten Pelz, und seine Rute klemmte vor Grauen zwischen seinen Hinterläufen.
Es dauerte nicht länger als ein paar Sekunden, und aus dem hübschen jungen Mann war ein verängstigter Wolf geworden...
Alecia weinte stumm, nun allem beraubt was ihr jemals im Leben lieb und teuer gewesen war. Sie leistete keinen Widerstand mehr, als ihre Stiefmutter erst ihr die Hände band, und dann dem benommenen Tier die Läufe und die Schnauze. Es wehrte sich nicht, es schien nicht einmal etwas von seiner Umgebung wahrzunehmen.
Während ihre Stiefmutter ihnen den Rücken kehrte, rutschte Alecia an den zitternden Wolf heran und strich beruhigend über das zottige Fell, obwohl sie es zugleich mit ihren Tränen nässte. Das einzige, an dem sie ihren Geliebten noch erkannte, war tatsächlich das Grün seiner Augen, doch sie blickten jetzt nicht mehr mit menschlicher Intelligenz.
Die Gräfin ging indes aus der Tür und sprach mit einem Bediensteten, er solle den Ritter holen der mit dem Prinzen gekommen war. Sie wusste, dass sie dem vertrauen konnte, denn er war ihr mit Haut und Haaren verfallen.
Als er kam, schlang sie bebend die Arme um ihn und drückte ihre feuchten Lippen auf seine, um kurz darauf unter Tränen eine verworrene Geschichte von ihrer irr geborenen Stieftochter zu erzählen, die ein gefährliches Tier in die Feste geschmuggelt hatte. Flehend bat sie den Ritter, das Mädchen und das wilde Tier noch in dieser Nacht tief in den Wald zu führen und sie zu fesseln und aneinander zu binden, in der Hoffnung, die Verrückte würde von dem Wolf zerfleischt und die Gräfin ihres schweren Loses enthoben, das ihre Stieftochter für sie war.
Natürlich sagte der ehrenvolle Ritter zu, konnte er doch der schönen Gräfin eine solche Last von den Schultern nehmen, und sie verhieß ihm auch sich recht dankbar zu erweisen.
Er gelobte, zu keinem ein Wort von der Sache zu sagen, und ging ein paar Pferde satteln.
Die Zauberin rieb sich lächelnd die Hände und wandte sich wieder Alecia zu. "Nun, Mädchen, entweder wird der Wolf dich zerfleischen, oder du wirst verhungern. Und selbst wenn das nicht geschieht, denk daran was armen Bettelmädchen auf den Straßen zustößt. Erst recht jenen, die keine Worte haben vor Gericht von den Missetaten zu berichten. So oder so, es ist vorbei mit dir und dem Prinzen, ein wilder Wolf lässt sich nicht zähmen und halten wie ein Haustier. Er wird davon laufen, und ich werde dem König berichten, dass der Prinz von einem seiner einsamen Jagdausflüge nie zurückgekehrt ist. Wahrscheinlich haben die Wölfe ihn zerfleischt... Wie du neben dir siehst, sind sie in dieser Gegend gar häufig... Möglich, dass ich den trauernden König auf eine Wolfsjagd einlade, was meinst du?"
Alecia konnte nur den Blick abwenden, bei dem Gedanken, der König könnte seinen eigenen Sohn bei der Jagd zur Strecke bringen. Selbst wenn sie hätte reden können, hätte die Niedertracht ihrer Stiefmutter sie sprachlos werden lassen...

So wurden in dieser Nacht Alecia und ihr Prinz in Wolfsgestalt tief in die dunklen Wälder geführt. Weit tiefer, als das Mädchen je vorgedrungen war. Und wenn der Wolf den Ort kannte, so merkte man es ihm nicht an.
Zumindest war das Tier nicht länger teilnahmslos, aber es schien große Angst vor Menschen zu haben. Jedes Mal, wenn der Ritter ihm nahe kam, versuchte es sich von den Stricken zu befreien und fortzulaufen. Und eine menschliche Regung suchte Alecia an dem Wolf vergebens... Es schien nichts mehr von dem Mann da zu sein, den sie von Herzen liebte.
Umso überraschter war das Mädchen, als der Ritter sie im Morgengrauen an einander band und, ohne einen Blick zurück, verließ. Denn der Wolf zeigte sich ihr gegenüber nicht furchtsam oder bissig, sondern beruhigte sich langsam und legte sich dann eng zu ihr, wie um sie zu wärmen und zu beschützen. Und als sie mit den Fingern durch seinen zottigen Pelz fuhr, leckte er ihr sanft die Hand.
So schöpfte Alecia wieder Hoffnung. Vielleicht war doch noch nicht alles verloren, wenn ihr Geliebter noch immer eine Bindung zu ihr spürte...
Im Laufe des Morgens biss er ihre Fesseln durch und befreite sie beide, um gleich darauf zu beweisen wie viel Wolf doch in ihm steckte. Er jagte und tötete ein Kaninchen, und fraß das rohe Fleisch, ehe er ihr einen Anteil davon brachte.
Er musste sie selbst wohl auch irgendwie für einen Wolf halten, denn er schien zu erwarten, dass sie es ihm gleichtat und das Kaninchen roh hinunterschlang. Stattdessen band Alecia es sich an den Gürtel, in der Hoffnung am Abend ein Feuer machen zu können. Dann schlug sie den Weg, tiefer in den Wald, ein, eingedenk der Worte ihrer Stiefmutter. Sie konnte vielleicht auf den Straßen des Reiches leichter überleben als im Wald, aber dem Wolf ging es anders, und er schien sich hier daheim zu fühlen. Leichten Herzens sprang er ihr voraus. Also würden sie hier bleiben, und hoffentlich außerhalb der Reichweite der Gräfin.

Nun kennen wir in den Tiefen des Zauberwalds noch andere Wesen, als die die man erjagen kann. Und die Elfen wissen immer, was in ihrem Wald vor sich geht. Sie hatten das Mädchen und ihren Wolf längst entdeckt, und einige Zauberkundige unter ihnen hatten herausgefunden, was es mit dem seltsamen Paar auf sich hatte.
Erneut einen Schaden zu sehen, den die böse Zauberin verursacht hatte, jene Frau, die versucht hatte sie zu versklaven um so an schöne Kleider, Kunst und Unterhaltung zu bekommen, schmerzte die Elfenkönigin. Noch dazu war das Mädchen, das da durch den Wald lief, hübsch und zart, selbst nach den Maßstäben der schönheitsliebenden Elfen, und mit dem rauen Wolf an seiner Seite ein zu exotischer Anblick, um nicht reizvoll für sie zu sein. Daher schickte die Elfenkönigin einen Späher aus, der die beiden einfing und zu ihr brachte, und die Herrin der Elfen machte Alecia ein Angebot, das das Mädchen nicht ausschlagen konnte. Sie sollte hier bleiben, am Königshof der Elfen. Freilich als Bedienstete, immerhin war sie nur ein Mensch. Dafür sollte sie schöne Kleider haben und satt zu essen, zudem ein Bett für die Nacht in einer kleinen Kammer.
Nur ihre Stimme, und dem Wolf seine wahre Gestalt, konnten ihnen leider niemand anderes als die Zauberin zurück geben.
Alecia tat dennoch nichts lieber als Ja zu sagen, obwohl es das Leben des Wolfes erschwerte. Zwar hatte er vor Elfen keine Angst, doch am Königshof konnte er nicht frei herumlaufen, immerhin war er ein Wolf und hatte die Instinkte eines wilden Tieres. Er bekam also ein geräumiges Gehege, in dem er seine Tage verbrachte, aber nicht frei war. Wann immer Alecias Pflichten am Hof es zuließen, holte sie den Wolf da heraus und lief mit ihm durch im Wald.
Die Elfen hatten ihr erzählt, dass ihr hier keine Gefahr von ihrer Stiefmutter drohte, weil die den Zauberwald nicht betreten durfte, also fühlte sie sich sicher.

So zogen einige Tage und Wochen ins Land... Aber nichts hält ewig, und Gutes vielleicht schon grade nicht.
Eines Tages verspürte die Zauberin Lust herauszufinden, was mit ihrer Stieftochter geworden war, denn Suchmannschaften des Königs durchstöberten den Wald, auf der Suche nach dem vermissten Prinzen. Also stellte sie sich vor ihren Zauberspiegel und sprach:

"Spieglein, mein Spieglein an der Wand,
wo bleichen Alecias Knochen in diesem Land?"


Was sie da aber zu sehen bekam, war nicht was sie erwartet hatte... Nicht bleiche Knochen zeigte ihr der Spiegel, sondern die roten Wangen ihrer Stieftochter, die sich zum Wolf in das Gehege setzte und ihr Essen mit ihm teilte. Sie trug ein elfengemachtes Kleid und der Wolf ein besticktes Halsband.
Die Zauberin musste nicht mehr vom Elfenkönigshof sehen, um zu wissen was geschehen war... Der Wolf war nicht so blutrünstig wie erhofft, der Wald nicht so einsam, und zudem hatten die Elfen nun, dank ihr selbst, zwei neue Schoßtierchen...
Wutschnaubend packte die Gräfin ihren Pokal und warf ihn an die Wand. Sie musste etwas tun, sofort. Und... vielleicht wusste sie auch schon was. Zwar waren Elfen und Zwerge vor ihr geschützt, aber Alecia war ein Mensch, und die Zauberin kannte die Schwachstelle der Elfenkönigin...
Sofort begann die Gräfin in den übrig gebliebenen Sachen ihrer Stieftochter zu wühlen, bis sie triumphierend deren Lieblingsband fand. Dann machte sie sich ans Werk...

Als Alecia am nächsten Morgen erwachte, brannte ihr Gesicht wie Feuer. Sie benutzte kaltes Wasser, um es zu kühlen, und schließlich ließ das Gefühl nach, doch als sie an ihre Arbeit ging, schreckten alle Elfen vor ihr zurück.
Mit bösen Vorahnungen lief sie zum nächsten Spiegel, von denen es hier so viele gab, und erstarrte... Langsam ließ sie ihre Fingerspitzen über ihre Wangen gleiten, fühlte knotige Dellen und Täler wo vorher samtige Glätte gewesen war. Ihr Gesicht sah aus, als wäre es, gleich heißem Wachs, geschmolzen und etwas verlaufen, um dann mitten in der Bewegung zu erstarren.
Alecia wusste sogleich wer das gewesen war, und dass sie sich etwas vorgemacht hatte, als sie glaubte hier sicher zu sein. Sie hätte laut schreien mögen, doch die Tränen liefen ihr wie immer stumm über das Gesicht.
An diesem Nachmittag bestellte die Königin sie zu sich und teilte Alecia ihren Entschuss mit, dass sie und ihr Wolf fort, zu den Zwergen, gebracht werden würden. Dort wäre sie viel sicherer aufgehoben, meinte die wunderschöne Elfe.
Doch Alecia kannte die Wahrheit. Wenn sie dort wäre, wären es die Elfen, die sicher waren. Vor ihrem hässlichen, entstellten Gesicht...

Die Zwerge erfuhren natürlich von den Elfen genau, wer Alecia und ihr Wolf waren, was die Gräfin ihnen angetan hatte, und was der neuste Schachzug der Zauberin gewesen war. Und die kleinwüchsigen Wesen, die in ihrer Knorrigkeit ebenso wie ihrer knurrigen Art den Elfen so sehr entgegenstanden, waren voller Mitgefühl für das Paar, das so arg für seine Liebe bezahlen musste. Und voller Groll gegen die treulosen Elfen...
Ihnen machte Alecias Entstellung nichts aus, sie gestatteten dem Wolf jede Freiheit und erlaubten ihm zu kommen und zu gehen wie er wollte, und gaben den beiden Verwandelten ein eigenes Häuschen in ihrem Dorf.
Sie erklärten auch von vornherein, dass sie magische Attacken nicht allesamt abwehren konnten, aber sie stellten einen Bannkreis her, der Alecia vor Angriffen von außen schützen sollte. Allerdings konnte niemand dem Wolf klar machen, dass er im Wald in Gefahr sein mochte, das Tier verstand es nicht. Und die, die es ihm vielleicht hätte begreiflich machen können, war und blieb stumm.
So gewöhnten sich Alecia und der Wolf wieder bei einem Volk ein, einem kleinen, derben diesmal, wo Alecia sich mit Nähen und Sticken einiges an Edelsteinen verdiente, die die Zwerge förderten. Hier wurden sie und ihr Liebster nicht bestaunt, wie bei den Elfen, sondern als Teil der Gemeinschaft betrachtet, wie früher bei den Menschen, zu Zeiten als ihr Vater noch lebte. Fast fühlte sie sich hier Zuhause, und auch der Wolf schien glücklich.

Doch das Unglück reitet schnell... Inzwischen hatte der König die Suche nach dem Prinzen aufgegeben und machte Jagd auf die Wölfe, die ihm seinen Sohn genommen hatten. Und zwei-drei Mal war Alecias Wolf fast in so eine Jagd geraten, doch er war schlau und ging den Jägern durch die Lappen. Und nicht nur diese Fangmethode war an ihn verschwendet, auch Fallgruben und Fangeisen wich er aus und ließ sie einstürzen oder zuschnappen.
Dieser außergewöhnlich schlaue Wolf sprach sich schnell herum... Als die Gräfin davon hörte, ahnte sie, um wen es sich handelte. Und weil sie annahm, dass Alecia von den Elfen verstoßen und nun doch gestorben war, es aber diesmal besser wusste als einfach davon auszugehen, befragte sie erneut ihren Zauberspiegel.

"Spieglein, mein Spieglein an der Wand,
sag mir, ist Alecia endlich in Gottes Hand?"


Die Antwort des Spiegels war eindeutig, als er ihr das Mädchen im Schutz der Zwerge zeigte.
Diesmal folgte kein Wutausbruch, sondern ein gut durchdachter Plan, an dessen Ende Alecias Tod ebenso wie der des Wolfes stehen sollten. Aber dazu bedurfte die Gräfin einiger Hilfe, denn sie konnte den Wald nicht betreten. Also rief sie sich eine Bauersfrau in die Feste...

Alecia säuberte grade ihr kleines Häuschen, als sie jemanden rufen hörte. Neugierig trat sie zum Fenster und entdeckte eine alte Bäuerin, die einen schweren Korb und eine Kiepe auf dem Rücken trug.
"Äpfel! Kauft schöne Äpfel! Frisch vom Baum!"
Eine Zwergin nahm gleich fünf Stück und ging voll Vorfreude den Kuchenteig ansetzen, als die Bäuerin Alecia entdeckte.
"Oh, jemand neues bei den Zwergen... Das sieht man nicht oft. Nun mein Kind, möchtest du einen Apfel? Den ersten gibt es zum Probieren gratis." Die Alte lächelte freundlich.
Alecia nickte und bedeutete ihr dann sogleich, dass sie ihr leider nicht würde antworten können, weil sie nicht sprechen konnte. Die Alte winkte ab.
"Das macht gar nichts, um einen Apfel zu essen muss man nicht viel reden. Wie man es zeigt, dass es gut schmeckt, weiß ja jeder." Sie zwinkerte Alecia lächelnd zu, die die alte Frau sehr nett fand.
Doch ein grauer Schatten, der grade zurück zu seiner Behausung schlich, mochte die Alte ganz und gar nicht... Der Wolf dachte nicht, wie ein Mensch, über die Gründe nach, er wusste einfach nur, er konnte sie nicht leiden. Und dass die Alte mit Alecia redete, mochte er noch weniger leiden. Also ging er dazwischen und zeigte ihr knurrend seine Zähne.
Doch die stumme Alecia war nicht die Einzige von ihnen, die sich nicht verständlich machen konnte... Das Mädchen sah die nette alte Frau in Gefahr und zog sie schnell zur Tür herein, wo das einseitige Gespräch über den Apfel weiterging. Und der Wolf war ausgesperrt...
Doch den Apfel mochte er am allerwenigsten...
Grade als Alecia hinein beißen wollte, sprang der Wolf mit einem Satz durch die Butzenscheibe. Glas splitterte, der Apfel fiel zu Boden und kullerte unter ein Regal.
Doch das reichte dem Wolf nicht, knurrend stellte er sich der alten Frau entgegen und versuchte auf sie loszugehen, doch Alecia bekam ihn am Halsband zu fassen. Verwirrt hielt der Wolf inne...
Da entstand auf der Hand der Frau eine große, gleißende Kugel, die ihre hassverzerrten Züge klar hervorhob. Eine Kugel, die sie auf das Mädchen richtete...
"Stirb endlich, verdammt noch mal! Stirb, Alecia!"
Im nächsten Augenblick hatte der Wolf sich losgerissen und warf sich vor das Mädchen. Die Kugel traf ihn statt ihr und ließ blaue Blitze über seinen Körper zucken, er krümmte sich... Dann fiel der Wolf zu Boden und regte sich nicht mehr.
Der Lärm hatte inzwischen die Zwerge aufgescheucht, die von allen Seiten ins Haus stürmten. Sie packten die alte Frau, doch bevor sie etwas tun konnten, sackte die mit aschfahlem Gesicht zusammen und war tot.
Der zauberkundigste der Zwerge schüttelte bedauernd den Kopf und erklärte seinen Freunden: "Sie hatte keine Chance... Sie war schon tot, als die Zauberin in ihren Körper schlüpfte, um Alecia diese Falle zu stellen. Zum Glück hat der Wolf das schlimmste verhindert..."
Das hatte er wohl. Doch nun lag er still da... Sein Herz schlug nicht mehr.
Alecia vergrub ihr Gesicht in seinem Fell und weinte bitterlich, um den Mann den sie liebte ebenso wie um den treuen Freund, der der Wolf ihr gewesen war.

Die Zwerge bargen den Apfel, den die Alte Alecia angeboten hatte, und fanden ihn vergiftet. Doch diese Erkenntnis half dem Mädchen nicht. Sie fühlte sich schuldig, weil sie den Wolf nicht richtig verstanden hatte. Sicher, niemand hatte damit gerechnet, dass die Zauberin doch in den Wald konnte, indem ihr Geist einfach eine andere Hülle benutzte. Aber sie hätte dem Wolf vertrauen müssen...
Als sein Körper sich dann zu verändern begann und wieder menschlich wurde, begann sie erneut zu weinen und konnte nicht mehr damit aufhören.
Ihr Prinz sah aus, als wäre er noch am Leben, so als würde er nur schlafen... Er war noch genauso schön wie bei ihrem ersten Aufeinandertreffen. Unbegreiflich, dass er tot sein sollte...
Die Weisesten unter den Zwergen kamen zusammen und sahen sich den Prinzen an, fühlten nach einem Herzschlag, nach der Wärme seines Körpers. Dabei schüttelten sie immer mehr ihre greisen Köpfe. Und schließlich berieten sie mit dem Herrn der Zwerge, und der legte Alecia tröstend eine Hand auf die Schulter.
"Hör auf zu weinen, Kind, es gibt noch Hoffnung. Eine kleine zwar... aber Hoffnung."
Dann erklärte er ihr, was sein weiser Hofrat herausgefunden hatte.
Ja, der Prinz war tot, sein Herz schlug nicht mehr, und deswegen hatte er auch seine menschliche Gestalt wieder. Aber der Fluch, der ihn getroffen hatte, hatte nicht ihm gegolten, daher konnte er den Prinzen auch nicht gänzlich töten. Aus diesem Grund sah er aus, als würde er tief und fest schlafen. Sein Körper blieb warm. Es war, als wäre für den Prinzen nur die Zeit unvermittelt stehen geblieben. Es war wie ein neuer Bann, der den alten aufhob...
Alecia erinnerte sich, dass der gelautet hatte, ihr Prinz sollte ein Wolf sein bis zu seinem Lebensende. Und da sein Herz nicht schlug, hatte es geendet...
Leider hatten die Zwerge noch keine Lösung, wie man ihn wieder aufwecken konnte. Daher bauten sie für ihn einen Sarg aus Kristall, in dem der Prinz sicher ruhen sollte, bis sie sie gefunden hatten.

Alecia blieb also bei ihren neuen Freunden, noch immer stumm und entstellt und unendlich traurig. Sie schlief jede Nacht neben dem Sarg des Prinzen, weil sie ihn einfach nicht lange allein lassen konnte, ihn immer wieder ansehen musste. Und jedes Mal meinte sie ihr Herz brechen zu fühlen.

Doch schon bald nach den dramatischen Geschehnissen erreichte die dringliche Botschaft das Zwergendorf, dass der Menschenkönig, zu dessen Land der Zauberwald gehörte, wieder heiraten wollte. Und zwar niemand anderen als Alecias Stiefmutter... Der Plan der bösen Zauberin schien endgültig aufgegangen zu sein. Nun hatte sie also vor, den Vater statt des Sohnes zu ehelichen...
Allen Waldbewohnern war klar, was das hieße. Schon am folgenden Tag zog daher eine kleine Karawane Richtung Königshof, unter ihnen Alecia, und auf einem Wagen der Sarg des Prinzen. Der König sollte sich mit eigenen Augen davon überzeugen, dass sein Sohn nicht Opfer der Wölfe geworden war... Und die Zwerge versprachen Alecia, ihre traurige Geschichte für sie zu erzählen.

Bedauerlicherweise rechnete aber die Gräfin mit dieser Art Widerstand... Sie hatte den Ritter, der das Mädchen und den Wolf in den Wald gebracht hatte, zum Hauptmann ihrer persönlichen Leibwache ernannt. Und als nun die kleine Zwergenkarawane vor den Toren erschien, wurde sie schon von besagter Leibwache erwartet und umstellt. Den Sarg mit dem Prinzen brachte man sofort zum König, und die Prinzenmörder, denn nichts anderes konnten die kleinen Männer und Frauen sein, stieß man in das dunkelste Verlies.
Nur einer konnte entkommen, der Herr der Zwerge, der einen Mantel besaß der ihn unsichtbar machte. Und da Alecia nicht zu den Anderen gesperrt, sondern ins Schloss hinauf gebracht wurde, folgte er ihr ungesehen.
Man führte sie in die Gemächer, die ihre Stiefmutter bewohnte, und wo auch der Zauberspiegel hing.
Ängstlich schaute das Mädchen in diese Richtung, als die Gräfin herein kam. Wenn möglich war sie noch schöner geworden.
Die böse Frau betrachtete das Mädchen geringschätzig. "Ich weiß noch immer nicht, was der Prinz an dir nichtssagendem Ding gefunden hat... Dem König hat es das Herz gebrochen, seinen Sohn so zu sehen. Aber ich werde ihn schon trösten. Und dein Prinz wird noch heute in der Kapelle zur ewigen Ruhe gebettet, und vergessen werden. Deine lieben Freunde, die Zwerge, werde ich übrigens hinrichten lassen für ihren Verrat an mir... Bleibst also nur noch du übrig, aber für dich wird mir auch noch etwas schönes einfallen."
Alecia versuchte den Schauder zu unterdrücken, der sie überlief. Ja, sie hatte Angst vor der Zauberin, aber die Angst um ihre Freunde und den Prinzen war ein vielfaches größer.
"Vor der Tür steht eine Wache, also lass dir nicht einfallen fortzulaufen. Ich würde dich mit Magie hier binden, aber wozu? Das Schloss gehört mir, und alles was darin lebt ebenfalls. Du kannst nirgendwo hin...", mit diesen Worten wandte die Gräfin sich ab und ging. Die Tür fiel schwer hinter ihr ins Schloss.
Im nächsten Moment erklang die unsichtbare Stimme des Zwergenfürsten, der flüsterte: "Hab keine Angst, du bist nicht allein." Und er hatte eine Idee, die sie alle vielleicht retten konnte...
Als damals die Zauberin überlistet und aus dem Wald verbannt worden war, geschah das mit Hilfe eines einzigartigen Geschmeides, das Zwerge und Elfen zusammen gefertigt hatten. Diese Halskette konnte einem Zauberkraft entziehen, und war dadurch vielleicht ihre Chance den Prinzen von seinem Fluch zu befreien.
Gegen die Zauberin konnten sie sie leider nicht einsetzen, denn die kannte das Schmuckstück und würde es sicher nie wieder umlegen. Da die Kette aber weder auf magische noch auf andere Weise zerstört werden konnte, dafür hatten die Elfen gesorgt, war es wahrscheinlich, dass die Zauberin sie behalten hatte, aus Angst jemand könnte sie erneut bei ihr zu verwenden versuchen. Und das hieß, sie musste in diesem Raum sein.
Sogleich begannen Alecia und der Zwerg zu suchen, durchwühlten die unzähligen Truhen und Kästen. Das Mädchen fand zwar beträchtliche Mengen Schmuck, aber diese spezielle Kette war nicht darunter.
Fast wollten die Beiden schon aufgeben, als Alecias Blick auf den Zauberspiegel fiel. Entschlossen ging sie hinüber und hob das große Gebilde von seinem Wandhaken, taumelte dabei fast unter dem überraschenden Gewicht. Und der Spiegel fühlte sich heiß an, als wollte er ihr die Finger verbrennen...
Doch hinter ihm, am selben Haken hängend, fand sich was sie gesucht hatten, das Geschmeide in einem kleinen Samtsäckchen.
Damit die Zauberin sein Fehlen nicht sogleich bemerkte, hängten sie den Spiegel wieder auf. Dann gab der Zwerg dem Mädchen einen Handkuss, und sie wünschte ihm stumm Glück, als er wieder unter seinem Mantel verschwand. Mit einem Trick lockte Alecia die Wache ins Zimmer, damit der Zwerg unbemerkt hinaus schlüpfen konnte.
Und dann begann das Mädchen zu warten. Sie konnte nur hoffen, dass der Zwergenfürst es schaffte den vielen Wachen zu entgehen, dass er den Sarg ihres Prinzen schnell fand, dass der allein war und weder der König noch ihre Stiefmutter daneben saß...
Und, dass die Kette tatsächlich die Macht hatte den Fluch aufzuheben und den Prinzen zu erwecken, denn sonst war alles verloren...
Viele Minuten, oder waren es schon Stunden, später öffnete sich die Tür zu ihrem Gefängnis wieder.
Doch nicht der Prinz kam herein. Oder einer der Zwerge. Sondern ihre Stiefmutter... Hoheitsvoll kam sie auf das Mädchen zu, mit einem huldvollen Lächeln, und nahm ihr entstelltes Gesicht zwischen die kalten Hände. "Denk dir nur, ich weiß, was ich mit dir tun werde. Schau mal..."
Sie drehte das Mädchen herum, so dass es den Spiegel anschauen musste, die vielen maskengleichen Gesichter, die den Rahmen zierten.
Erneut umfassten die kalten Finger ihr vernarbtes Gesicht, liebkosten es sanft. "Dein Antlitz wird wieder hübsch und glatt werden, sobald du eins mit dem Spiegel wirst. Schau, da unten an der Ecke, das wird dein Platz sein. Dort fehlt noch eine Maske. Ich habe den Fleck für jemanden besonderes aufbewahrt, und das wirst jetzt du sein...

Spieglein, mein Spieglein an der Wand,
schau nur, wen ich für dich nun fand..."


Während sie sprach, begannen die Granataugen der Masken unheilvoll zu glühen, und Alecia konnte sich nicht mehr bewegen. Es gab kein Entkommen...
Stumm schaute das Mädchen in den Spiegel, der ihr ihre Zukunft zeigte, wie ihr Gesicht jede Farbe verlor und braun wurde wie das Holz, ihre Augen rot und starr.
"Nun streck die Hand aus...", flüsterte die Zauberin leise in ihr Ohr, und Alecias Körper gehorchte ihr. Langsam begann sie auf den Spiegel zuzugehen, bereits nicht mehr Herr über sich selbst. Vor Angst raste ihr Herz, doch äußerlich war sie ruhig, als sei sie schon aus Holz.
War es das, was der Prinz gefühlt hatte, als sein Körper sich verwandelte? Würde sie ihre Gefühle und Gedanken behalten, für alle Zeit lebender Teil des Zauberspiegels? Oder würde das böse Bewusstsein, das hinter der glatten Fläche steckte, sie gänzlich auslöschen und verschlingen?
Ihr Spiegelbild wurde wieder so wie sie war, die Zukunftsvision war vorbei, so als wollte das Zauberding ihr ein letztes Mal ihr wahres Gesicht zeigen. Aber ihre Augen waren bereits verändert, schon leuchtete aus ihnen das dumpfe Rot, das alle Maskenaugen zeigten...
Eine einzelne Träne rann Alecia über die Wange.
Ihre Reflektion verschwamm, als der Spiegel in Bewegung geriet wie Wasser, kleine Wellen schlug, die schon hungrig nach ihren Fingern leckten. Fast berührte ihre Hand das unheilvolle Leuchten, und das Mädchen konnte die brennende Hitze spüren, die es vertilgen wollte.
Ohne ihren Liebsten wollte sie auch gar nicht mehr sein... Mit diesem Gedanken ergab das Mädchen sich ihrem Schicksal.
Im nächsten Augenblick brach hinter ihr die Tür krachend auf und schlug gegen die Wand. Laute Stimmen drangen in den Raum, Kampfgeräusche erklangen, als die Wachen versuchten die Eindringlinge zu überwältigen.
Die Zauberin packte das reglose Mädchen bei den Schultern und wollte es in den Spiegel stoßen, doch im letzten Moment durchbohrte sie der Bolzen einer Armbrust und warf sie selbst hinein... Mit einem gellenden Schrei durchbrach sie die leuchtende Oberfläche und tauchte unter, gefror auf der anderen Seite des Spiegelglases in einer Maske aus blankem Horror, und zugleich erschien ihr Gesicht, starr und schön, an jener Ecke des Rahmens, den sie Alecia zugedacht hatte.
Mit einem Mal wurde der Spiegel nebelhaft undurchsichtig, die Granataugen der Masken blitzten hasserfüllt auf, und eine jede wurde zum Antlitz der bösen Zauberin...
Alecia war immer noch unter dem Bann des Spiegels, konnte sich nicht bewegen, und auch nichts sehen, so wie sie mit dem Rücken zum Raum stand. Sie konnte die Kämpfenden nicht mal vor dem Spiegel, in dem etwas furchtbar böses vorging und auszubrechen drohte, warnen, stumm wie sie war.
Doch es gab jemanden, der um diese Gefahr ebenso gut wusste wie sie...
"Alecia!", rief eine so vertraute und lange vermisste Stimme, dann griff eine Hand nach ihr und zog sie in die Sicherheit eines warmen Körpers. Die andere Hand hob sich, noch immer bewaffnet mit der Armbrust, auf der ein neuer Bolzen aufgelegt war. Und der Prinz zögerte keine Sekunde, er schoss.
Ein vielstimmiger Schrei gellte durch das Schloss, ausgestoßen von den Masken, die ihre hölzernen Münder aufrissen, dann explodierte das Spiegelglas förmlich nach innen. Einen Moment lang konnte man das schmerzverzerrte Gesicht der Zauberin in den Scherben aufblitzen sehen, dann wurden sie rußschwarz... und der Spuk war vorbei. Der hölzerne Rahmen war leer, keine Scherbe war mehr zu sehen, und auch keine einzige Maske.
Das Kampfgetümmel draußen verstummte.
Alecia zitterte am ganzen Leib. Sie wollte nichts weiter, als sich an dem warmen, atmenden Körper vor ihr festzuhalten, den Herzschlag zu spüren, der unter ihrer Wange pochte, und alles zu vergessen was geschehen war.
"Du lebst...", flüsterte sie, "du lebst..."
Eine warme Hand legte sich um ihre Wange. "Ja, mein Herz, und du sprichst... Ich habe schon nicht mehr daran geglaubt, deine süße Stimme noch einmal zu hören..." Zärtlich streichelte der Prinz ihre glatte Haut, deren Entstellung ebenso mit dem Tod der Zauberin von Alecia abgefallen war, wie ihre Stimmlosigkeit. Dann hob er Alecias Kinn an und küsste sie, küsste sie lange, und legte all seine Liebe und Sehnsucht in diesen einen Kuss hinein.
Tränen rannen über Alecias Wangen, doch zum ersten Mal seit sehr langer Zeit hatten sie nichts mit Schmerz zu tun, sondern alles mit Freude...

Es dauerte einige Zeit, das ganze Geschehen zu entwirren, die Zwerge zu befreien und dem König alles zu erklären. Was dabei half war der Umstand, dass alle, die unter dem Bann der bösen Gräfin gestanden hatten, mit ihrem Tod daraus erwacht waren.
Sie hatte trotzdem viel Schaden angerichtet, und einiges war nie wieder gut zu machen, wie der Tod von Alecias Vater. Aber der König tat alles was in seiner Macht stand, um den überall, so weit es möglich war, zu verringern. Er nahm auch diplomatische Beziehungen zu den Zwergen und Elfen auf, um den Wald in Zukunft besser zu schützen. Und sein Dank an die Elfenkönigin, und vor allem an den Herrn der Zwerge, für die Rettung seines Sohnes und Alecias, konnte größer nicht sein. Die drei Herrscher standen einander in der Schuld, die beste Basis für eine gute Beziehung unter Fürsten.
Selbstverständlich wurden die Zwerge und Elfen auch zur Hochzeit Alecias mit ihrem Prinzen eingeladen. Und unter dem jungen König würde die Beziehung der drei Völker noch besser sein.
Doch das ist eine andere Geschichte...

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Re: Der Zauberwald (Märchen)

Beitragvon sam » Mo 7. Dez 2009, 19:46

das war sehr schön! ein bisschen schneewitchen aber in neuem gewand.
die sprache ist toll. ein ganz anderer stil, eben märchenhaft. da kommen satzwendungen und worte drin vor, die man in modernen texten wohl nie so anwenden würde: Und am Ende jener Woche gestanden sich beide ein, dass sie einander von Herzen lieb hatten und nicht mehr ohne den anderen sein konnten.

kann mir sehr gut vorstellen, dass du in der kurzversion einiges an hintergrund (über das elfen- und zwergenvolk) und ausführlicher wald- und stimmungsbeschreibung ausgelassen hast. aber es ist auch so stimmig. auch wenn die elfen mit ihrer schönheitsliebe nicht so gut bei weggekommen sind. oberflächliches völkchen... und dass dein prinz mit grünen augen gesegnet ist und ein wolf durch die geschichte läuft... hatte man gar nicht mit rechnen können ;)

hat mir gut gefallen, und wer sich über die länge aufregt... pft. wo sollte man das denn kürzen?
--> fantasie ist, wenn man sich an dinge erinnert, die gar nicht passiert sind <--
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Re: Der Zauberwald (Märchen)

Beitragvon Shannon » Di 8. Dez 2009, 02:09

^^ Dankeschön!

sam hat geschrieben:die sprache ist toll. ein ganz anderer stil, eben märchenhaft. da kommen satzwendungen und worte drin vor, die man in modernen texten wohl nie so anwenden würde

Ich habe mir für die ersten 3-4 Seiten meine zwei Lieblingsmärchenbücher daneben gelegt, um mich ab und zu mit einem Absatz ein bisschen einzulesen, und für einige Teilstücke hab ich erst 'normal' geschrieben und dann sprachlich angepasst. :) Es war eine Herausforderung, aber die altertümliche Sprache hat ihren eigenen Zauber, ohne sie wäre ein Märchen, glaube ich, nur eine Geschichte.

sam hat geschrieben:kann mir sehr gut vorstellen, dass du in der kurzversion einiges an hintergrund (über das elfen- und zwergenvolk) und ausführlicher wald- und stimmungsbeschreibung ausgelassen hast. aber es ist auch so stimmig.

Ja, da war ich selbst überrascht wie gut das passte. Ich habe mir erst beim Schreiben angesehen wie Märchen überhaupt aufgebaut sind. Ich hatte erst ein bisschen Sorge, weil ich viel in groben Zügen abhandeln musste, aber in Märchen ist das auch oft der Fall.

sam hat geschrieben:auch wenn die elfen mit ihrer schönheitsliebe nicht so gut bei weggekommen sind. oberflächliches völkchen...

*lach* Ja... Da spielten viel die alten Sagen von den Steinkreisen und unterirdischen Elfenreichen hinein, wo die Elfen die Menschen eher als Spielzeug betrachten. ;)

sam hat geschrieben:und dass dein prinz mit grünen augen gesegnet ist und ein wolf durch die geschichte läuft... hatte man gar nicht mit rechnen können ;)

*lol* Nein, kam ganz unversehens. ^^

sam hat geschrieben:hat mir gut gefallen, und wer sich über die länge aufregt... pft. wo sollte man das denn kürzen?

Nee, ging einfach nicht. Die Idee ist viel zu komplex für 2 Seiten. Mal schauen, bisher hat niemand eine Bewertung abgegeben. Vergleichbar sind die Geschichten dank der Umstände auch nicht.

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Re: Der Zauberwald (Märchen)

Beitragvon spacecurly » Mi 30. Dez 2009, 11:39

Ich habe es ja erst heute geschafft auf der Weihnachtsseite zu lesen.
Aber die Geschichte ist faszinierend und führt einen auch in die eigene Kindheit zurück.
Man hat sogleich wieder das Bedürfnis ein Märchenbuch in die Hand zu nehmen und auch andere MÄrchen nochmal nachzulesen.

Muss aber sagen, dass ausgerechnet die Schneewitchen Geschichte doch ihren ganz besonderen Reiz hat.

Und ich muss Sam recht geben, warum hatte der Prinz wohl grüne Augen und ist ausgerechnet in einen WOlf verwandelt worden????
Shan, manchmal bist du so berechenbar *lol*
Nicht, dass uns das stören würde *lol*

Also nochmals zu der Geschichte, sie ist sprachlich mit den Wortwendungen und Sprachen, die so gar nicht in die moderne Zeit passen wundervoll geschrieben und machen daher den Charme erst komplett und nimmt einen in die Geschichte mit rein.
Hoffe du lässt uns auch weiterhin teilhaben, wenn du noch etwas in der ARt schreiben wirst.
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